Franz Hohler: Das Päckchen

Ich hatte mich sehr auf dieses Buch gefreut. Franz Hohler ist ein wunderbarer Erzähler, die Geschichte dreht sich um ein althochdeutsches Buch – für mich als studierte Mediävistin (OK, Germanistik nur im Nebenfach) natürlich ein interessantes Thema. Und es ist nicht einfach irgendein altes Buch, sondern das älteste Buch in deutscher Sprache, das lateinisch-althochdeutsche Wörterbuch „Abrogans„.

Es sind zwei Geschichten: Ein junger Novize bringt ein Wörterbuch zu Pergament, reist damit in Richtung Italien und erlebt so allerlei Mittelalterliches unterwegs. Und ein nicht mehr ganz so junger Bibliothekar aus dem 21. Jahrhundert gerät das Buch zufällig (?) in die Hände – worauf er der der Reisegeschichte des Buches in Bern und den Alpen auf den Grund geht, in bibliothekarartiger Bescheidenheit („abrogans“ heisst denn auch „bescheiden“).

Eine schön erzählte Doppelgeschichte, die mich aber mit einem ratlosen, etwas leeren und auch enttäuschten Gefühl zurückgelassen hat: Sie ist zu glatt. Zu viel beiläufig und sehr präzis eingearbeiteter Lokalkolorit, zu brave, korrekte Figuren, sogar die Brüche in den Figuren sind politisch korrekt: Der Novize lehnt sich gegen das Zölibat auf, der Bibliothekar hintersinnt sich, weil er lügt, er lebt in einer politisch korrekten Ehe und übernimmt seinen Teil an der Familienarbeit. Keine einzige Überraschung, alles genau so, wie man es von Hohler erwartet. Alles eigentlich ziemlich langweilig.

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