Ein Kunst-Trip der ganz besonderen Art

Natürlich ist es ein first world problem, aber Kunst und Kultur fehlen mir sehr. Keine Ausstellungen besuchen zu können, nicht ins Theater und nicht an Konzerte zu können, setzt mir mehr zu als ich gedacht hätte. Umso dankbarer bin ich, dass der grossartige Wetz und das ebenso grossartige KKLB-Team einen Kunst-Trip aufgebaut hat, der 24/7 geöffnet und frei zugänglich ist. Eine wunderbare Kombination von hochprofessionell und improvisiert!

So ist in der winterlich-trüb-kalten Luzerner Landschaft eine Insel der Kreativität entstanden, das ein Feuerwerk an Ideen zündet, hinter dem  ein nicht-elitäres Kunstverständnis steht, das mir sehr behagt. Und dass man auf diesem Trip auch noch eine Feuerwerksrakete in einem geschlossenen Raum abfeuern kann, ist auch ein besonderes Erlebnis.

Viel Luzerner Winterlandschaft und ein Schulbus, der Teil eines Kunstwerks werden möchte

Einblick

Einblick in die geschlossene Ausstellung: Werk von Valentin Beck im Entstehen begriffen.

Hier überwintern Igel

Mitmachkunst: Erforschen des Verhaltens einer Feuerwerksrakete im geschlossenen Raum

Die Sonnenbahnen sichtbar machen: Solargrafie

Wenn man ein Fotopapier in eine Lochkamera packt und es ganz lang, Wochen oder gar Monate, drin lässt und die Lochkamera schön stabil in Richtung Sonne installiert, erscheint mit der Zeit ein Negativbild auf dem Papier, ganz ohne Entwickeln, auf dem sich die sich im Verlauf der Jahreszeiten verändernden Sonnenbahnen abzeichen. Das nennt man Solargrafie.

An unserm gegen Süden gerichteten Haus haben wir eine Bierdose befestigt, mit einem Loch in der Hülle und einem Fotopapier im Innern, und das Papier von Sommer- bis Wintersonnwende belichtet, also ein halbes Jahr. Und so sieht das in der Zeit entstandene Bild aus (als Positiv):

Die Kamera muss natürlich wind- und wetterfest und stabil montiert sein. Am besten eignen sich Getränkedosen – wir haben sie an einem am Haus verschraubten Blumenkistenhaken mit viel Panzerklebband befestigt:

Es gibt so etwas wie eine kleine, aber sehr feine „Solargrafie-Community“, eine Untergruppe der Lochkamera-Community, die sich auf Flickr und inzwischen vor allem auch auf Instagram vernetzt. Dort gibt es auch viele Bilder zu sehen:

Ein Haus ohne Licht ist nur ein halbes Haus

Ein Haus ohne Licht ist nur ein halbes Haus: Das ist der Titel der Jubiläumsausstellung zu 150 Jahre Kunstverein Glarus, die am Samstag, 12. Dezember, eröffnet wird. Ich hatte mich sehr auf den Tag gefreut, denn wir mussten uns (wegen Corona) einen Ersatz für die sonst übliche Vernissage einfallen lassen, damit sich die Besucher.innen grosszügig über den ganzen Tag verteilen. Geplant war, immer zur vollen Stunde eine Kurzführung zu machen in Form eines Gesprächs zu einem der Bilder aus der Kunstverein-Sammlung, und zwar immer zwischen einer der Profis aus dem Kunsthausteam und einem Vorstandsmitglied. Da ich auch so eins bin, hätte ich auch gedurft. Aber durch die verschärften Corona-Massnahmen ist jetzt auch das nicht möglich, es gibt keine Veranstaltung zur Eröffnung.

Ich hätte mit Anne Gruber, Kunstvermittlerin im Kunsthaus Glarus, gerne über eine Radierung von Fritz E. Pauli aus dem Jahr 1925 gesprochen, das die «Familie Bührer» zeigt. Der Glarner Kunstverein war für Paulis Karriere wohl nicht unwichtig, seine erste Einzelausstellung wurde von «uns» gezeigt, 1931 in Amden, als der Kunstverein noch gar kein eigenes Haus hatte. Ich nehme an, dass es sich dabei um Jakob Bührer handelt, ein sozialkritischer Journalist und Schriftsteller, mit dem Pauli laut Wikipedia befreundet war, und die Frau auf dem Bild müsste dann die Feministin, Schriftstellerin und Journalistin Elisabeth Thommen sein, die 1925 mit Bührer verheiratet war.

Pauli ist mir bereits im Sommer begegnet. Wir hatten ein Ferienhaus im Cavigliano (TI) gemietet, wo Pauli Jahrzehnte gelebt hat und das einer Familie gehört, die mit Pauli befreundet war. Mehrere Radierungen und Skizzen an den Wänden zeugten davon.

Pauli hat offenbar gerne Freunde porträtiert. Und darüber hätte ich gern mit Anne gesprochen: Sieht man dem Bild den freundschaftlichen Blick an? Macht es einen Unterschied, ob das Motiv Unbekannte oder Freunde sind? Ist der Blick des Künstlers sanfter oder schonungsloser? Die Menschen auf dem Bild machen jedenfalls nicht für den Künstler eine besonders gute Miene. Die Szene ist zudem recht familiär. Die drei Personen im Zentrum halten für den Maler zwar still, aber die Umgebung nimmt wenig Rücksicht auf die Situation, was nahelegt, dass das Zeichnen für sie alltäglich ist: Jemand kommt in den Raum, die Katze fegt durchs Zimmer.

Die Ausstellung „Ein Haus ohne Licht ist nur ein halbes Haus“ dauert bis Ende Januar 2021.

Wer hat noch nicht, wer will noch mal? Über Podcasts.

Ein Gänseblümchen am Wegrand. Es hat einen Bezug zu diesem Text, das Bild.

Ich bin eine Hörerin. War ich schon immer. Als Kind habe ich mein Taschengeld gespart, um ein eigenes Radio kaufen zu können. als Jugendliche habe ich mein Radio aussen ans Fenster geklebt, weil dort der einzige Ort war, an dem ich Empfang für Radio 24 und später DRS 3 hatte. Als Studentin habe ich nicht den allerersten Walkman angeschafft, sondern ein Jahr zugewartet, weil ich auf ein Modell mit integriertem Radio gewartet habe. Und immer ging es mir dabei nicht in erster Linie um Musik, sondern um die Wortsendungen.
Als dann Anfang der 00er-Jahre das mit den Podcasts losging, war ich elektrisiert. Ich hatte drei kleine Kinder, und die Aussicht, nicht-zeitgebunden endlich wieder Radio hören zu können, war wunderbar. Ich habe mir einen einen einfachen mp3-player (mit Aufnahmefunktion) gekauft, mir meine Lieblingssendungen daraufgeladen und beim Pendeln zur Arbeit zeitversetzt Radio gehört. 2004 wurden dann langsam „special-interest-Podcasts“ Mode, und in dem Genre habe ich mich im Rahmen der grossen und aktiven „Strick-Community“, von der ich damals ein Teil war, auch selber kurz versucht und 2006 den ersten schweizerdeutschen Strickpodcast fabriziert. Es gab nur drei Ausgaben davon, die zum Glück (bis auf eine) verschollen sind.


Dieses und letztes Jahr ist das Podcast-Angebot explodiert. Es gibt mehr und mehr wirklich gute professionelle, semi-professionelle und „ehrenamtlich“ produzierte Angebote (wie sagt man dem, nicht von Profis gemacht, aber zu gut, um sie als „Hobbyprojekt“ zu bezeichnen?), und auch eine niederschwellige Professionalisierung der Hobby-Podcast-Szene, z.B. dank des Podcast Towers. Aber ist gibt leider auch eine ganze Reihe von 40something-(männlichen)-Midlifecrisis-Bekämpfern, die, meist zu zweit, konzeptlos und viel zu langfädig draufloslabern, in einem Jugendslang, der aufdieselbe Art leicht veraltet ist wie ihre T-Shirts (fair enough!), und meinen, da komme etwas mit Gemischtes Hack oder Fest und Flauschig Vergleichbares raus. Hinweis: Tut es nicht. Na ja, wers mag. Ist immerhin es ein ökologischeres Hobby als sich ein Motorrad zuzulegen.

Einige Podcasts, die ich zur Zeit regelmässig höre (kleine Auswahl):

Pop Routes. Musikhistorische Sendung von SRF3, mit dem grossartigen DJ Pesa, ohne den ich nicht wüsste, dass von „Let it Be“ die erste Coverversion VOR dem Original veröffentlicht wurde.

Am Wegrand. Spaziergänge mit Gesrächen über Blumen. Gespräche mit einem Botaniker, jede Folge zu einer Blume. Meine bisherige Lieblingsfolge ist die über das Gänseblümchen. Einer der wenigen schweizerdeutsch gesprochenen Podcasts, die nur Podcasts sind (also keine mp3-Versionen von Radiosendungen).

The Happiness Lab. Dr. Laurie Santos, Psychologieprofessorin in Yale, nimmt sich in jeder Folge eines psychologischen Themas an, das mit unserm Glück zu tun hat.

In Ballaballa-Balkan kann man diese Woche ganz viel über jugoslawischen Punk und Yu-Wave lernen. Einen aktuellen Blick auf den Balkan von „dem grimmigen „Kroaten“ Danijel Majić und dem Nationalismusbehinderten Krsto Lazarević“. 

Servus. Grüezi. Hallo. Der transalpine Podcast der drei Zeit-Büro-Redaktionsleiter aus Berlin, Innsbruck, Zürich. Exzellente Hintergrundüberlegungen zu denjenigen politischen und gesellschaftlichen Themen, die in den drei Ländern gerade aktuell sind. Besonders interessant daran ist nicht in erster Linie der Blick auf die anderen beiden Ländern (obwohl schon auch, sehr), sondern vor allem der geübte Aussenblick auf das eigene. Klug, planvoll, spontan, witzig.

Und dann ist da noch die Idee der Initiative Psychologie im Umweltschutz, die den Corona-bedingt ins Internet verlegten Jahreskongress aufgeteilt hat in eine Podcast-Reihe zum paarweise zugelost gemeinsam hören und einen Online-Kongress: Reflekta – Perspektiven auf Suffizienz

(Der Vollständigkeit halber seien natürlich auch die Wortsendungen von Radio SRF erwähnt, die zu hören ich mir zum Teil seit Jahrzehnten (ächz) gewohnt bin, nicht immer, aber regelmässig: Digital, Focus, Input, 52 beste Bücher, Kontext, Zytlupe…)

 

 

 

Lechts und Rinks …

Lechts und Rinks kann man velwechsern, das hielt schon der grossartige Elnst Jandr fest.

Ob man Rechts und Links hingegen vertauschen kann, ist eine Frage, die schon den einen oder die andere zum Haare raufen veranlasst hat – so muss man annehmen, angesichts der zahlreichen Erklärvideos (hier ein kurzes Beispiel) , die die Frage zerpflücken: „Warum verstauscht ein Spiegel links und rechts, aber oben und unten nicht?“ Nun – ein normaler Spiegel tut das gar nicht. Er spiegelt. Das heisst, er vertauscht vorne und hinten. Unser Sprechen über den Spiegel führt uns auf eine falsche gedankliche Bahn.

Will man einen Spiegel haben, der tatsächlich rechts und links vertauscht, muss man dafür ein ganz kleines bisschen basteln. Eine Schachtel, ein Japanmesser, zwei Spiegelkacheln und ein paar Zentimeter Teppichklebeband reichen dafür aus:

Sich in einem solchen Spiegel zu betrachten, ist ziemlich ungewohnt, und sich davor die Zähne zu putzen, ist eine echte Herausforderung.

Bonus-Effekt: Dreht man den Spiegel um 90 Grad, tauscht er oben und unten (ist ja logisch!).

Bonus-Tatsache: Videokonferenzen stellen die anderen Teilnehmer.innen „richtig herum“ dar, sich selber sieht man aber gespiegelt. Damit es nicht zu schwierig wird, wenn man per Videokonferenz gemeinsam Zähne putzt, vermutlich.

Basteln und Tüfteln geht auch zu Hause: Stereo-Lochkamera

Fotografieren ist zur Zeit Einschränkungen unterworfen, und gute Fotograf.innen machen daraus eigenständige, kreative Projekte, wie zum Beispiel https://stayathome.photography, ein  inspirierendes und faszinierendes Dialogprojekt, bei dem immer zwei Fotograf.innen aus zum Teil sehr unterschiedlichen Teilen der Welt in einen Bilderdialog treten. Und Analogfotograf.innen treffen sich „im Labor“, respektive auf Instagram unter dem Hashtag #idevelopathome.

Was natürlich ebenfalls immer noch möglich ist, wenn man zu Hause bleiben muss, ist Basteln und Tüfteln. Schon vor  längerer Zeit habe ich mir vorgenommen, eine Stereo-Lochkamera zu basteln – und heute ist sie endlich fertig und erfolgreich getestet worden.

Stereolochkamera aus Karton, schwarz bemalt. Abstand der Löcher 6.5 cm

 

Innenleben mit Bildtrenner

Das erste Bild ist ein #stayathome-Bild, unser Garten.
Belichtungszeit bei Mittagssonne: 30 Sekunden; Positiv 4-5 Sekunden.

Der weisse Strich in der Mitte kommt vom Bildtrenner – den muss ich noch etwas richten!
Das Positiv. Der Stereoeffekt stellt sich natürlich nur mit Betrachter ein.

Das Papierpositiv muss dann noch zugeschnitten werden für den über 100 Jahre alten Stereobetrachter, auf das Format 7 x 13 cm – und die beiden Bilder müssen noch den Platz wechseln!

So alt, dass er vermutlich eigentlich für Glaspositive gebaut wurde – es klappt aber auch mit Papierabzügen tadellos!

 

 

Aufgeben gilt nicht! Aktiv werden statt moralisieren.

Das neue Jahr fängt ja mitnichten besser an als dass das alte aufgehört hat – ob all der schlechten Nachrichten fällt es mir nicht ganz leicht, nicht in eine „Ist-ja-alles-egal-ich-kann-ja eh-nichts-bewirken-Rückzug-ins-Private-Stimmung“ zu verfallen. Aber da Aufgeben nicht gilt, und einfach nur das eigene Verhalten zu ändern die Welt auch nicht rettet, hier der Hinweis auf das hoffnungsvollste Buch, das ich 2019 gelesen habe:

In „Schluss mit der Ökomoral“ listet Michael Kopatz auf, wo man  im Wirkungsradius von Einzelpersonen, z.B. auf kommunaler Ebene, etwas Systemveränderndes bewirken kann. Systemverändernd, weil: „Du bist für den Klimaschutz und handelst nicht danach? Das geht allen so. Deswegen musst du die Verhältnisse ändern!“ Kopatz breitet einen reichen Vorrat an Ideen, Überlegungen, Anregungen aus zu verschienen Themenfeldern, in denen man aktiv werden kann um Strukturen so zu verändern, dass Öko zum Normallfall wird (und es den Einzelnen dadurch leicht fällt) – Themen wie  Wohnen, Strom, Essen, Mobilität, Einkaufen, Arbeiten. Kopatz fordert: Kriegt den Arsch hoch!

Selbstermächtigung statt Resignation, Widerstand und (politisch) aktiv werden statt Selbstkasteiung, verändern statt moralisieren: Im individuellen Verhalten entspannt unterwegs sein und politisch „den Arsch hochkriegen“ ist die Devise – für mich eines der wichtigsten Bücher 2019.

Michael Kopatz: Schluss mit der Ökomoral. Oekom-Verlag 2019.
Webseite des Autors: https://www.oekoroutine.de 

 

…und zum Schluss noch dies: auf https://showyourstripes.info kann man sich die Abweichungen der jährlichen Durchschnittstemperaturen grafisch darstellen lassen – pro Land. Für die Schweiz sieht das so aus (1880-2018):

Nimmt man die Schweizer Daten, ergänzt sie für 2019 um einen weiteren Streifen und packt das Muster in Wolle, sieht das dann so aus:

„Warming Stripes“ ist die gängige Bezeichnung der Grafik.
Als Schal – ein leicht zynisches Wortspiel.

Dystopien lesen (oder auch nicht)

Ich hatte immer schon einen Hang zu Science Fiction, seit Max Kruses „Urmel fliegt ins All“, und Sience Fiction ist praktisch durchwegs dystopisch (auch die Urmel-Geschichte hat zumindest dystopische Elemente).

(Warum eigentlich? Hat mir jemand Tipps für nicht-dystopische Science Fiction? Ausser Becky Chambers, deren Wayfarer-Geschichten erstaunlich un-dystopische Seiten haben, kenne ich kaum etwas. Und nur weil etwas lustig ist, heisst es nicht, dass es sich nicht um eine Dystopie handelt – wie z.B. der Hitchhiker’s Guide to the Galaxy .)

Aber in letzter Zeit ist mir die Lust am Dystopien lesen vergangen. Die Zeitung reicht eigentlich. Und dennoch habe ich das Bedürfnis, mich auch mit Geschichten mit der Gegenwart und möglichen Zukunften auseinanderzusetzen – darum habe ich dieses Jahr Romane gelesen wie z. B. „Die Mauer“ (John Lanchester), „Maschinen wie ich“ (Ian McEwan), Brave new world (Aldous Huxley), und – natürlich! – den grossartigen Roman „GRM Brainfuck“ von Sibylle Berg.

Heute in der Lieblingsbuchhandlung jedoch habe ich „Schönes Neues England“ von Sam Byers wieder ins Regal zurückgestellt. Die Sunday Times verspricht, es sei  „ein genialer Roman über den Onlineausverkauf der Seelen“, und der Verlag beschreibt die Geschichte als eine Auseinandersetzung mit „einer ach so schönen neuen Welt: Wie wollen wir wohnen und arbeiten? (…) das Panorama einer Gesellschaft nach dem Brexit, deren Verwerfungen auch die persönlichsten Beziehungen erschüttern.“

Es wurde mir auf einmal zu viel. Ich will unsere schreckliche Gegenwart und Zukunft nicht unbedingt ständig als Thema meiner Lektüre. Als Realität, in der die erzählten Geschichten spielen, jedoch schon. Aber ich muss nicht erst eine Geschichte lesen,  um zu glauben, dass es um unsere Zukunft düster bestellt ist, das glaube ich auch so – ich möchte lieber mehr Geschichten lesen, die Ideen entwerfen, wie menschliches Leben in dieser Zukunft aussehen könnte.

Ich habe dann „Duffy“ von Dan Kavanagh gekauft. Ein rabenschwarzer 80er-Jahre-Krimi. Zur Zeit ist mir schreckliche Vergangenheit lieber als schreckliche Zukunft.

 

In 101’000 Schritten durch Wien

FlamingoHarald Nägeli, der „Sprayer von Zürich“, hat an die Wand der Düsseldorfer Kunsthochschule einen Flamingo gesprayt. Das hat ihm ein Verfahren wegen Sachbeschädigung eingebracht, das Anfang Monat nun gegen eine Geldauflage eingestellt worden ist. Nägeli findet, dies sei keine Sachbeschädigung und die Geldstrafe „eine Peinlichkeit“.

Nebenstehender Flamingo verziert eine Hauswand in Wien (3. Bezirk). Ist dieser Flamingo auch Kunst – oder ist er eine Sachbeschädigung? Wann ist ein Graffiti Kunst? Wenn es Kunst ist, gelten dann Vorschriften nicht mehr? Und wer soll so etwas entscheiden dürfen?

Viereinhalb Tage waren wir in Wien und haben in 101’000 Schritten die Stadt er-flaniert. Flanieren ist eine sehr angemessene Fortbewegungsart durch eine Stadt, die man entdecken möchte. Sie ist langsam genug, um in alle Richtungen blicken und viele Details wahrnehmen zu können. Man kann jederzeit unkompliziert anhalten, um sich etwas noch genauer ansehen zu können. Durch die ständige Bewegung ist man dafür auch aufmerksam genug.

Die Wissenschaft vom Flanieren heisst übrigens Promenadologie oder, noch viel schöner auf Englisch: Strollology. Und das ist keine sehr ernste Sache, aber sehr ernst gemeint.

Auf meinen Flanierereien durch Städte fotografiere ich meistens. Aus Wien habe ich eine Graffiti-Foto-Sammlung (Link auf Flickr) mitgebracht, ein paar Beispiele:

punk

Freiraum

smash

zwei emotionen

street art save my pocket