Vom Wundern und Staunen in Kammern

Ich liebe Wunderkammern. Sie lassen mich staunen und träumen von Reisen in andere Welten. Wenn immer mich eine Reise in eine Gegend führt, in der es eine hat, muss ich sie sehen.

Wunderkammern entstanden etwa ab dem 14. Jahrhundert. Es sind Sammlungen von Raritäten und Kuriosa aus Natur, Kunst und Wissenschaft; zusammengetragen und gezeigt mit der Absicht, etwas über die Welt zu verstehen. Betritt man eine Wunderkammer, muss man mit Narwalzähnen, optischen Instrumente, Skarabäen, Kunsthandwerk aus fernen Ländern, medizinischen Präparaten und so weiter rechnen. Wunderkammern gelten als Vorläufer der Museen.

Melle_Drechselkunst
Gedrechseltes zum Staunen in der Wunderkammer Jacob von Melles

Im Lübecker St.-Annen-Museum ist die Wunderkammer von Jacob von Melle zu besichtigen. Von Melle (1659-1743) war Pastor an der Lübecker St. Marien-Kirche und ein Universalgelehrter und Sammler. Seine Sammlung legte den Grundstock für das St. Annen-Museum, das in der Tat immer noch etwas von einer riesengrossen Wunderkammer an sich hat (inklusive obligatorischem Alligator und Kugelfisch in der Alchemistenstube).

In einem Raum des Museums ist die ursprüngliche Melle-Wunderkammer-Sammlung ausgestellt. Sie umfasst vorwiegend Kunst und Kunsthandwerk: Aeyptische Kleinstatuen, römische Vasen, chinesische Porzellanfiguren, die mit der Zunge wackeln, kunstvolle Drechseleien und als Krönung eine astronomische Uhr. Leider sind die einzelnen Objekte überhaupt nicht erklärt, aber das Museumspersonal ist sehr nett und hilfsbereit: An der Museumskasse bekamen wir den Dokumentations-Ordner der MuseumsführerInnen zur Einsicht, der zu allen Objekten Hintergrundinformationen bereithält.

Melle_Uhr
Astronomische Uhr

Wikipedia listet eine Reihe von noch erhaltenen Wunderkammern auf. In der Liste fehlen aber drei wichtige und besonders schöne: Die Wunderkammer Obricht in Berlin, Harrys Hafenbasar in Hamburg und die Wunderkammer im Museum von Swansea (Wales). Alle drei einen Besuch sehr wert!

 

 

Eine neue Aufgabe

Vor einer Woche hat mich die Glarner Landsgemeinde ins Verwaltungsgericht gewählt. Meine Motivation, für dieses Amt zu kandidieren, habe ich im Wahlkampf so formuliert:

„Gesetze sind die Spielregeln, die sich eine Gesellschaft gibt, damit das Zusammenleben funktioniert. Das Verwaltungsgericht muss sicherstellen, dass nicht nur Einzelpersonen, sondern auch Behörden und Verwaltung sich an die Spielregeln halten – etwas, das mir wichtig ist und zu dem ich gerne beitragen möchte.“

Und damit das wunderschöne Gratulationsplakat, das meine NachbarInnen für mich gemacht haben, nicht in den Untiefen meines Facebook-Feeds verschwindet, sei es hier ebenfalls verewigt:

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Kunst in Strasbourg. Nur ohne Tomi Ungerer.

Ich habe mir zwei Tage frei genommen für eine Allein-Reise. Eigentlich hatte ich geplant, eine Reise in die Vergangenheit zu unternehmen, und das Ungerer-Museum in Strasbourg zu besuchen. Was man halt so macht, wenn man sowas wie eine verspätete Midlife-Crisis schiebt. Denn Tomi Ungerer ist der Lieblingsautor aus meiner Kindheit, alle seine Bilderbücher (allen voran Zeraldas Riese, das Biest des Monsieur Racine und Crictor) waren für mich sehr wichtig und gewiss prägend.  Und nicht zuletzt waren auch seine „anderen Sachen“ eine wichtige Bildungsquelle – so ist mir das „Fornicon“ (bitte selber googeln) in die Hände geraten, als ich meine Lebensjahre noch einstellig zählen konnte. Aber wie es so kommt, ist das Leben manchmal ziemlich ironisch: Das Museum war wegen Streik geschlossen. Und ich wurde auf den Gedanken zurückgeworfen: Ist irgendwie wie 50 sein. Es klappt einfach nicht mehr alles so, wie man es sich vorgestellt hat…

pu* de mer*!!!

Nun denn – mit 50 hat man auch schon etwas Gelassenheit gelernt und sich etwas Anpassungsfähigkeit bewahrt (hoffe ich doch). So habe ich die gesparte Zeit flanierend genutzt und in der Stadt nach Ausdruck künstlerischen Ausdruckswillens gesucht.

Strasbourg ist – gelinde ausgedrückt – eine pittoreske Stadt. Das hat sich offenbar bei ganz, ganz vielen Reiselustigen herumgsprochen. Die meisten davon treiben sich praktischerweise wie überall auf den Hauptgassen und bei den wichtigsten „points of interest“ herum, kaufen Plüschstörche, knipsen malerische Gässchen und Brückchen oder essen Kougelhopf – man kann den Touristen recht gut ausweichen. Allerdings nicht ganz, dafür ist das im Auge des Ansturms gelegene Münster mit seiner Astronomischen Uhr dann doch zu interessant. Zudem bereitet sich Strasbourg auf ein grosses Kunst- und Kulturfest vor, mit zahlreichen Installationen auf öffentlichen Plätzen. Und wenn vor dem Münster auf einmal ein Mammut zu fliegen kommt, ist das schon ziemlich sehenswert:

le mammouth volant s’installe près de la cathédrale

Ich habe auch noch Kunstgeschichtliches gefunden, zum Beispiel das Haus, in dem der grossartige Gustav Doré seine ersten Zeichnungen gemacht hat (an der rue des écrivains, der Schriwerstubgass).

Und zu guter Letzt auch noch nicht-pittoreske Kunst, die viel harmloser tut als sie ist.

ceci n’est que de l’art

 

Ich habe drei Dinge über blockchains kapiert

Die Ausstellung im Museum für neue Kunst in Freiburg i.Br. (D), „your north ist my south„, bietet eine interessante Annäherung mit Mitteln der Kunst an Fragen rund um die virtuellen Räume, in denen wir uns zunehmend bewegen und die wiederum uns bewegen, und diese geht weit über die sonst üblichen effekthascherischen Spielereien mit 3-D-Brillen und AR hinaus. Höchst empfehlenswert!

Ich habe heute in der Ausstellung zum Beispiel drei Dinge über blockchain kapiert (glaube ich zumindest):

  • dass Blockchains eigentlich nichts anders sind als digitale Freundschaftsbändeli;
  • dass Blockchain ein ziemlich blöder Begriff für die ganze Technologie ist. Blockchain ist ja nur ein Basiselement des Ganzen, und der Begriff suggeriert Zweidimensionalität, wo doch das Ganze erst in der ständigen Interaktion aller Elemente mit allen und in ständiger Bewegung, also mindestens in vier Dimensionen, zum Ganzen wird;
  • und nicht zuletzt, dass auch bei dieser Technologie gilt: Blockchain ist nicht „per se“ gut, es kommt drauf an, wie es gestaltet wird – offen oder geschlossen? Entscheidend ist wie bei jedem Produktionsmittel, wem es gehört (so gesehen war das ein sehr passender Ausstellungsbesuch an einem 1. Mai).

Der Film, der mir zu diesen Einsichten verholfen hat, ist online zugänglich (französisch, englisch hier).

Dieselbe Künstlerin, die mit visuellen Mitteln Blockchain erklärt, erklärt auch das Internet: Louise Drulhe hat einen „Critical Atlas of the Internet“ verfasst (Abschlussarbeit der Kunstschule, 2016).

Aus der Ausstellung habe ich noch weitere Anregungen mitgenommen. Zum Beispiel die Einsicht, dass es immer noch Ecken im Netz gibt, wo „mein“ wildes freies basisdemokratisches vernetztes Internet noch funktioniert. Wikipedia ist so eine Ecke.

Das generische Maskulinum gibt es nicht mehr

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Das generische Maskulinum ist kaputt

Am 31. März erschien in der NZZ der differenzierteste Artikel zum Thema geschlechtergerechte Sprache, den ich seit langer Zeit gelesen habe *). Der Stuttgarter Sprachphilosoph Philipp Hübl legt darin dar, wie Sprache, Genus, Gender und Geschlecht zusammenhängen, warum der Kampf ums Binnen-I und Gender-Sternchen zum Stellvertretergefecht verkommen kann und warum sie dennoch eine wichtige Rolle spielen. Ich bin in einem zentralen Punkt nicht seiner Meinung – komme aber zu derselben, eher unaufgeregten Schlussfolgerung: Das Binnen-I ist zwar eine ästhetische Zumutung, aber durchaus zumutbar. Es ist wichtig, weil es als Stoppschild funktioniert und uns unsere Rollenbilder bewusst macht. Es erinnert an ein unvollendetes Projekt: die Gleichstellung von Frau und Mann.

Das generische Maskulinum gibt es nicht mehr

In einem zentralen Punkt bin ich nicht Hübls Ansicht: In seinen Überlegungen zum generischen Maskulinum. Die deutsche Sprache kennt das sogenannte «generische Maskulinum». Im Deutschen haben biologisches und grammatisches Geschlecht nicht immer etwas miteinander zu tun. Hübl führt aus, dass nicht die Wörter, nicht das grammatische Geschlecht der Wörter, das Problem sind, sondern die Konzepte dahinter. Es liegt nicht am grammatisch maskulinen Wort, dass man bei «einem Saal voller Physiker» zunächst nur an Männer denkt, sondern an unseren stereotypen Rollenbildern. Wäre das grammatische Geschlecht so stark, würde man bei Koryphäen, Kapazitäten oder «Lichtgestalten der Festkörperphysik» an Frauen denken. Tut man aber nicht.

Was Personenbezeichnungen angeht, greifen Hübls Überlegungen jedoch zu kurz. Dies möchte ich mit einem Griff in die Erinnerungen-Kiste verdeutlichen:

1990, dem ersten Jahr nach der «Herstellung der Einheit Deutschlands», lebte ich im Osten Berlins und verkehrte dort in feministischen Kreisen. Wir hatten oft Diskussionen um Sprache und Gleichstellung. Die ostdeutschen Feministinnen ärgerten sich sehr über das grosse I, das nun aus dem Westen nach Osten drängte, denn ihrer Ansicht nach machte es die Sprache kaputt, die bis dato sehr gut und geschlechtergerecht funktioniert hätte: Sie versicherten mir, dass in der DDR jeder (nicht: jede und jeder!) an Männer UND Frauen dachte, wenn von «Mechaniker», «Lehrer», «Ingenieur» die Rede war. Frauen sprachen auch selber über sich mit generischem Maskulinum: «Ich bin Ingenieur» war ein Satz, den eine Frau sagen konnte, ohne dass er als irgendwie falsch empfunden wurde. Und nun passierte Folgendes: Frauen bekamen neu die weibliche Form – und der «Normalfall» wandelte sich vom generischen zur Form für Männer – Normalfall Mann, Sonderform Frau. Also: Das generische Maskulinum wurde praktisch abgeschafft, die Frauen wurden zwar sprachlich sichtbarer, aber nur als Sonderfall. Aus dem Normalfall wurden sie verdrängt.

(Übrigens: So ähnlich ist es im englischen Sprachraum, der kein generisches Maskulinum kennt, den weiblichen DJs ergangen, mit der Einführung der Bezeichnung SHE-DJ oder DJane. Männer heissen DJs (=Normalfall) und nicht HE-DJ.).

Sprache ändert sich mit den Menschen, die sie benützen. Und sobald sich ein grosser Teil der Frauen mit «Arzt», «Lehrer»,  «Bürger» nicht mehr mitgemeint fühlt, und sobald eine Mehrheit – oder auch nur eine grosse Minderheit – es als grammatisch falsch empfindet, wenn eine Frau von sich sagt, «ich bin Lehrer», ist das generische Maskulinum Geschichte. Und das ist nun mal passiert…

Prägt Sprache das Bewusstsein?
Wenn man davon ausgeht, dass Sprache unser Bewusstsein prägt, kann der Kampf für geschlechtergerechte Sprache schon mal heftig werden. Via Sprachveränderung könnte man dann die Welt verändern. Für so mächtig halte ich die Sprache nicht, jedenfalls nicht auf der Ebene der Grammatik.

Natürlich ist es wichtig, sorgfältig mit Sprache umzugehen. Und wenn sich die Sprache so verändert hat, dass es für Personenbezeichnungen das generische Maskulinum nicht mehr gibt, weil es durch eine Bedeutungsverschiebung faktisch abgeschafft worden ist, ist es einfach nur richtig (und ganz nebenbei: auch nur anständig), es nicht mehr zu verwenden!

Dennoch: Die Veränderung der Stereotypen und Zuschreibungen ist viel, viel wichtiger. Diese Stereotypen werden durch andere sprachliche Formen sehr viel stärker zementiert als durch die Grammatik: Durch Metaphern oder stereotypische Verwendung von Adjektiven beispielsweise.

Der Kampf um die Wortendungen darf nicht davon ablenken, dass die wirkliche Arbeit anderswo zu tun bleibt. Er darf nicht zu einem Stellvertretergefecht werden, der unsere Energie und Aufmerksamkeit absorbiert – und dass Binnen-I darf nicht zu einem Beruhigungsmittel werden: Auch geschlechtergerecht formulierte Texte können vor Sexismus triefen!

In dem Sinne: Braucht das hässliche grosse I ! Braucht es als Störfaktor, der an das Projekt «Gleichstellung» erinnert. Braucht es, weil es nicht zu brauchen auch keine Lösung ist. Aber bildet euch nicht ein, es wäre die Lösung ….

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*) Kleiner Kalauer zum Wochenende: Normalerweise scheue ich davor zurück, das NZZ-Feuilleton zu lesen.

Halbzeit bei „Seitentriebe“ und ein enttäuschter Fan

Ich bin ja vor Kurzem in der zweiten Hälfte meines ersten Jahrhunderts angelangt und habe daher beschlossen, dass ich das mit der midlifecrisis hinter mir gelassen habe. Mein neues Lebensziel: Eine wilde Alte werden. Da ich mich noch nicht so alt fühle, wie ich bin, habe ich dafür noch lange Zeit, aber mit der Vorbereitung fange ich schon mal an – und dazu gehört, dass die Darstellung alter Frauen in Medien und Öffentlichkeit ein Thema geworden ist, das meine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen beginnt.

Als grosser Güzin-Kar-Fan habe ich mich auf ihre Serie „Seitentriebe“ gefreut. Und ich habe mich ausserordentlich gefreut, dass mit Clara eine wilde Alte eine Rolle spielt. Gut, sie ist jetzt nicht unbedingt in jeder Hinsicht ein taugliches Vorbild. Aber im Fernsehen eine Frau zu zeigen, kurz vor der Pensionierung, die gut aussieht, lebenslustig ist, und ihren Freundinnen mittels einer reichlich feuchten Papaya (Schmatzgeräusche!) erklärt, wie frau erfolgreich masturbiert – das hat schon Stil und Seltenheitswert.

Clara verwöhnt eine Papaya

Aber Clara begnügt sich nicht mit Fruchtsalat, sie steht auf junge Männer. Auf sehr viele junge Männer. Und ihr braver Mann weiss nichts davon…

Und dann hat mich „Seitentriebe“ sehr, sehr enttäuscht. Wie kann man bloss! Auf Claras Fehlverhalten steht: Die Todesstrafe. Zum Ende der 3. von 8 Folgen wird sie aus der Serie mittels eines Autounfalls rausgeschrieben. Fertig lustig mit der unartigen Alten.

Auf Twitter schrieb Güzin Kar nach der No-Billag-Abstimmung: „Liebe #NoBillag-Anhänger. Ihr könnt jetzt aufhören, unter jedes Interview mit mir und jede Rezension unserer Serie „Für so einen Mist muss ich Billag bezahlen“ zu schreiben, sondern wieder zu den normalen frauenfeindlichen Sprüchen übergehen.“ So schreibe ich zur Abwechslung: Alte unartige Frauen mit der Todesstrafe zu belegen ist auch nicht gerade frauenfreundlich! Das ist altweiberfeindlich!

(Aber sonst finde ich die Serie lustig, und ziemlich gemein, weil ziemlich treffend, im Fall.)

(Disclaimer: Dieser Text ist eine Polemik und hat einen sarkastischen Unterton – falls das nicht für alle LeserInnen offensichtlich sein sollte.)

Alte Bücher lesen: Victor Hugo, Die Arbeiter des Meeres

Ich lese nicht nur Neuerscheinungen, sondern regelmässig auch Bücher, die schon etwas älter, gern auch mehrere hundert Jahre alt sind. Wenn man Abenteuergeschichten gerne mag, hat man auch gar keine andere Wahl.

Von den alten Büchern kommt man fast nur an die heran, die sich „bewährt“ haben, die Eintagsfliegen sind, anders als bei Neuerscheinungen, schon aussortiert. Innerhalb dieser Vorsortierung gibt es aber immer noch viele Entdeckungen zu machen, die alles andere als langweilige Klassiker sind. Und manchmal liegen die Entdeckungen unmittelbar neben den bekannten Klassikern.

Victor Hugo hat sehr viel geschrieben, darunter zwei sehr bekannte Romane: Notre-Dame von Paris (der mit dem Glöckner) und Les Misérables. Weniger bekannt ist, das beide Romane Teil einer Trilogie sind, die die Themen Religion, Gesellschaft und Natur behandeln, denn diese sind „die drei Mächte, mit denen der Mensch zu ringen hat und die zugleich auch seine drei Notwendigkeiten bedeuten“, wie im Vorwort zu „Die Arbeiter des Meeres“, dem dritten Roman der Trilogie, steht.

„Die Arbeiter des Meeres“ ist der erste Roman von Hugo, den ich gelesen habe.  (Ich hab’s ja nicht so mit dem Naheliegenden.) Er erzählt die Geschichte des Revolutionsflüchtlingskindes Gilliat, eines Fischers aus Guernsey, der in einem heroisch-herkulischen Kraftakt den Motor aus einem schiffbrüchig gewordenen Dampfschiff rettet und einem noch heroischeren Akt auf die versprochene Ehe mit der entzückenden Tochter des Schiffseigners verzichtet.

Der Roman ist kürzlich im Mare-Verlag in einer sehr schönen Ausgabe neu verlegt worden und ist, wenn man das Meer liebt und grosszügig über Hugos inzwischen etwas überholtes Frauenbild hinwegsieht (es kommen zum Glück kaum Frauen vor!), ein grosser Lesegenuss. Man taucht ein in  die seitenlangen Schilderungen der Stürme, der Höhlen – über Seiten hinweg auf eine Art beschrieben, dass man beim Lesen nachvollziehen kann, wie sich die Augen langsam an die Dunkelheit gewöhnen -, der inneren Verfassung des mit der Natur ringenden Gilliat. Die Sprache versucht das klippenreiche Meer vor Guernsey darzustellen, ist mal abgehackt in ganz kurzen Sätzen, mal langsam und ruhig, mal schnell und wild.

Und, ganz nebenbei, habe ich gelernt, dass Jacques Cousteaus ikonische rote Wollmütze ein traditionelles Kleidungsstück ist. Eine solche gehörte nämlich schon zu Hugos Zeiten zur Seemannskleidung: „Gilliat trug seine Seemannskleider: Wollhemd und Wollstrümpfe, genagelte Schuhe, Strickjacke, Hosen aus dickem Filzstoff und eine rote Wollmütze auf dem Kopf, die bei den Seeleuten gebräuchlich war und zur damaligen Zeit galérienne („Frau des Galeerensträflings“) hiess.“ (S. 256).