Ein Haus ohne Licht ist nur ein halbes Haus

Ein Haus ohne Licht ist nur ein halbes Haus: Das ist der Titel der Jubiläumsausstellung zu 150 Jahre Kunstverein Glarus, die am Samstag, 12. Dezember, eröffnet wird. Ich hatte mich sehr auf den Tag gefreut, denn wir mussten uns (wegen Corona) einen Ersatz für die sonst übliche Vernissage einfallen lassen, damit sich die Besucher.innen grosszügig über den ganzen Tag verteilen. Geplant war, immer zur vollen Stunde eine Kurzführung zu machen in Form eines Gesprächs zu einem der Bilder aus der Kunstverein-Sammlung, und zwar immer zwischen einer der Profis aus dem Kunsthausteam und einem Vorstandsmitglied. Da ich auch so eins bin, hätte ich auch gedurft. Aber durch die verschärften Corona-Massnahmen ist jetzt auch das nicht möglich, es gibt keine Veranstaltung zur Eröffnung.

Ich hätte mit Anne Gruber, Kunstvermittlerin im Kunsthaus Glarus, gerne über eine Radierung von Fritz E. Pauli aus dem Jahr 1925 gesprochen, das die «Familie Bührer» zeigt. Der Glarner Kunstverein war für Paulis Karriere wohl nicht unwichtig, seine erste Einzelausstellung wurde von «uns» gezeigt, 1931 in Amden, als der Kunstverein noch gar kein eigenes Haus hatte. Ich nehme an, dass es sich dabei um Jakob Bührer handelt, ein sozialkritischer Journalist und Schriftsteller, mit dem Pauli laut Wikipedia befreundet war, und die Frau auf dem Bild müsste dann die Feministin, Schriftstellerin und Journalistin Elisabeth Thommen sein, die 1925 mit Bührer verheiratet war.

Pauli ist mir bereits im Sommer begegnet. Wir hatten ein Ferienhaus im Cavigliano (TI) gemietet, wo Pauli Jahrzehnte gelebt hat und das einer Familie gehört, die mit Pauli befreundet war. Mehrere Radierungen und Skizzen an den Wänden zeugten davon.

Pauli hat offenbar gerne Freunde porträtiert. Und darüber hätte ich gern mit Anne gesprochen: Sieht man dem Bild den freundschaftlichen Blick an? Macht es einen Unterschied, ob das Motiv Unbekannte oder Freunde sind? Ist der Blick des Künstlers sanfter oder schonungsloser? Die Menschen auf dem Bild machen jedenfalls nicht für den Künstler eine besonders gute Miene. Die Szene ist zudem recht familiär. Die drei Personen im Zentrum halten für den Maler zwar still, aber die Umgebung nimmt wenig Rücksicht auf die Situation, was nahelegt, dass das Zeichnen für sie alltäglich ist: Jemand kommt in den Raum, die Katze fegt durchs Zimmer.

Die Ausstellung „Ein Haus ohne Licht ist nur ein halbes Haus“ dauert bis Ende Januar 2021.

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