Ich habe drei Dinge über blockchains kapiert

Die Ausstellung im Museum für neue Kunst in Freiburg i.Br. (D), „your north ist my south„, bietet eine interessante Annäherung mit Mitteln der Kunst an Fragen rund um die virtuellen Räume, in denen wir uns zunehmend bewegen und die wiederum uns bewegen, und diese geht weit über die sonst üblichen effekthascherischen Spielereien mit 3-D-Brillen und AR hinaus. Höchst empfehlenswert!

Ich habe heute in der Ausstellung zum Beispiel drei Dinge über blockchain kapiert (glaube ich zumindest):

  • dass Blockchains eigentlich nichts anders sind als digitale Freundschaftsbändeli;
  • dass Blockchain ein ziemlich blöder Begriff für die ganze Technologie ist. Blockchain ist ja nur ein Basiselement des Ganzen, und der Begriff suggeriert Zweidimensionalität, wo doch das Ganze erst in der ständigen Interaktion aller Elemente mit allen und in ständiger Bewegung, also mindestens in vier Dimensionen, zum Ganzen wird;
  • und nicht zuletzt, dass auch bei dieser Technologie gilt: Blockchain ist nicht „per se“ gut, es kommt drauf an, wie es gestaltet wird – offen oder geschlossen? Entscheidend ist wie bei jedem Produktionsmittel, wem es gehört (so gesehen war das ein sehr passender Ausstellungsbesuch an einem 1. Mai).

Der Film, der mir zu diesen Einsichten verholfen hat, ist online zugänglich (französisch, englisch hier).

Dieselbe Künstlerin, die mit visuellen Mitteln Blockchain erklärt, erklärt auch das Internet: Louise Drulhe hat einen „Critical Atlas of the Internet“ verfasst (Abschlussarbeit der Kunstschule, 2016).

Aus der Ausstellung habe ich noch weitere Anregungen mitgenommen. Zum Beispiel die Einsicht, dass es immer noch Ecken im Netz gibt, wo „mein“ wildes freies basisdemokratisches vernetztes Internet noch funktioniert. Wikipedia ist so eine Ecke.

Das generische Maskulinum gibt es nicht mehr

rotto
Das generische Maskulinum ist kaputt

Am 31. März erschien in der NZZ der differenzierteste Artikel zum Thema geschlechtergerechte Sprache, den ich seit langer Zeit gelesen habe *). Der Stuttgarter Sprachphilosoph Philipp Hübl legt darin dar, wie Sprache, Genus, Gender und Geschlecht zusammenhängen, warum der Kampf ums Binnen-I und Gender-Sternchen zum Stellvertretergefecht verkommen kann und warum sie dennoch eine wichtige Rolle spielen. Ich bin in einem zentralen Punkt nicht seiner Meinung – komme aber zu derselben, eher unaufgeregten Schlussfolgerung: Das Binnen-I ist zwar eine ästhetische Zumutung, aber durchaus zumutbar. Es ist wichtig, weil es als Stoppschild funktioniert und uns unsere Rollenbilder bewusst macht. Es erinnert an ein unvollendetes Projekt: die Gleichstellung von Frau und Mann.

Das generische Maskulinum gibt es nicht mehr

In einem zentralen Punkt bin ich nicht Hübls Ansicht: In seinen Überlegungen zum generischen Maskulinum. Die deutsche Sprache kennt das sogenannte «generische Maskulinum». Im Deutschen haben biologisches und grammatisches Geschlecht nicht immer etwas miteinander zu tun. Hübl führt aus, dass nicht die Wörter, nicht das grammatische Geschlecht der Wörter, das Problem sind, sondern die Konzepte dahinter. Es liegt nicht am grammatisch maskulinen Wort, dass man bei «einem Saal voller Physiker» zunächst nur an Männer denkt, sondern an unseren stereotypen Rollenbildern. Wäre das grammatische Geschlecht so stark, würde man bei Koryphäen, Kapazitäten oder «Lichtgestalten der Festkörperphysik» an Frauen denken. Tut man aber nicht.

Was Personenbezeichnungen angeht, greifen Hübls Überlegungen jedoch zu kurz. Dies möchte ich mit einem Griff in die Erinnerungen-Kiste verdeutlichen:

1990, dem ersten Jahr nach der «Herstellung der Einheit Deutschlands», lebte ich im Osten Berlins und verkehrte dort in feministischen Kreisen. Wir hatten oft Diskussionen um Sprache und Gleichstellung. Die ostdeutschen Feministinnen ärgerten sich sehr über das grosse I, das nun aus dem Westen nach Osten drängte, denn ihrer Ansicht nach machte es die Sprache kaputt, die bis dato sehr gut und geschlechtergerecht funktioniert hätte: Sie versicherten mir, dass in der DDR jeder (nicht: jede und jeder!) an Männer UND Frauen dachte, wenn von «Mechaniker», «Lehrer», «Ingenieur» die Rede war. Frauen sprachen auch selber über sich mit generischem Maskulinum: «Ich bin Ingenieur» war ein Satz, den eine Frau sagen konnte, ohne dass er als irgendwie falsch empfunden wurde. Und nun passierte Folgendes: Frauen bekamen neu die weibliche Form – und der «Normalfall» wandelte sich vom generischen zur Form für Männer – Normalfall Mann, Sonderform Frau. Also: Das generische Maskulinum wurde praktisch abgeschafft, die Frauen wurden zwar sprachlich sichtbarer, aber nur als Sonderfall. Aus dem Normalfall wurden sie verdrängt.

(Übrigens: So ähnlich ist es im englischen Sprachraum, der kein generisches Maskulinum kennt, den weiblichen DJs ergangen, mit der Einführung der Bezeichnung SHE-DJ oder DJane. Männer heissen DJs (=Normalfall) und nicht HE-DJ.).

Sprache ändert sich mit den Menschen, die sie benützen. Und sobald sich ein grosser Teil der Frauen mit «Arzt», «Lehrer»,  «Bürger» nicht mehr mitgemeint fühlt, und sobald eine Mehrheit – oder auch nur eine grosse Minderheit – es als grammatisch falsch empfindet, wenn eine Frau von sich sagt, «ich bin Lehrer», ist das generische Maskulinum Geschichte. Und das ist nun mal passiert…

Prägt Sprache das Bewusstsein?
Wenn man davon ausgeht, dass Sprache unser Bewusstsein prägt, kann der Kampf für geschlechtergerechte Sprache schon mal heftig werden. Via Sprachveränderung könnte man dann die Welt verändern. Für so mächtig halte ich die Sprache nicht, jedenfalls nicht auf der Ebene der Grammatik.

Natürlich ist es wichtig, sorgfältig mit Sprache umzugehen. Und wenn sich die Sprache so verändert hat, dass es für Personenbezeichnungen das generische Maskulinum nicht mehr gibt, weil es durch eine Bedeutungsverschiebung faktisch abgeschafft worden ist, ist es einfach nur richtig (und ganz nebenbei: auch nur anständig), es nicht mehr zu verwenden!

Dennoch: Die Veränderung der Stereotypen und Zuschreibungen ist viel, viel wichtiger. Diese Stereotypen werden durch andere sprachliche Formen sehr viel stärker zementiert als durch die Grammatik: Durch Metaphern oder stereotypische Verwendung von Adjektiven beispielsweise.

Der Kampf um die Wortendungen darf nicht davon ablenken, dass die wirkliche Arbeit anderswo zu tun bleibt. Er darf nicht zu einem Stellvertretergefecht werden, der unsere Energie und Aufmerksamkeit absorbiert – und dass Binnen-I darf nicht zu einem Beruhigungsmittel werden: Auch geschlechtergerecht formulierte Texte können vor Sexismus triefen!

In dem Sinne: Braucht das hässliche grosse I ! Braucht es als Störfaktor, der an das Projekt «Gleichstellung» erinnert. Braucht es, weil es nicht zu brauchen auch keine Lösung ist. Aber bildet euch nicht ein, es wäre die Lösung ….

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*) Kleiner Kalauer zum Wochenende: Normalerweise scheue ich davor zurück, das NZZ-Feuilleton zu lesen.

Halbzeit bei „Seitentriebe“ und ein enttäuschter Fan

Ich bin ja vor Kurzem in der zweiten Hälfte meines ersten Jahrhunderts angelangt und habe daher beschlossen, dass ich das mit der midlifecrisis hinter mir gelassen habe. Mein neues Lebensziel: Eine wilde Alte werden. Da ich mich noch nicht so alt fühle, wie ich bin, habe ich dafür noch lange Zeit, aber mit der Vorbereitung fange ich schon mal an – und dazu gehört, dass die Darstellung alter Frauen in Medien und Öffentlichkeit ein Thema geworden ist, das meine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen beginnt.

Als grosser Güzin-Kar-Fan habe ich mich auf ihre Serie „Seitentriebe“ gefreut. Und ich habe mich ausserordentlich gefreut, dass mit Clara eine wilde Alte eine Rolle spielt. Gut, sie ist jetzt nicht unbedingt in jeder Hinsicht ein taugliches Vorbild. Aber im Fernsehen eine Frau zu zeigen, kurz vor der Pensionierung, die gut aussieht, lebenslustig ist, und ihren Freundinnen mittels einer reichlich feuchten Papaya (Schmatzgeräusche!) erklärt, wie frau erfolgreich masturbiert – das hat schon Stil und Seltenheitswert.

Clara verwöhnt eine Papaya

Aber Clara begnügt sich nicht mit Fruchtsalat, sie steht auf junge Männer. Auf sehr viele junge Männer. Und ihr braver Mann weiss nichts davon…

Und dann hat mich „Seitentriebe“ sehr, sehr enttäuscht. Wie kann man bloss! Auf Claras Fehlverhalten steht: Die Todesstrafe. Zum Ende der 3. von 8 Folgen wird sie aus der Serie mittels eines Autounfalls rausgeschrieben. Fertig lustig mit der unartigen Alten.

Auf Twitter schrieb Güzin Kar nach der No-Billag-Abstimmung: „Liebe #NoBillag-Anhänger. Ihr könnt jetzt aufhören, unter jedes Interview mit mir und jede Rezension unserer Serie „Für so einen Mist muss ich Billag bezahlen“ zu schreiben, sondern wieder zu den normalen frauenfeindlichen Sprüchen übergehen.“ So schreibe ich zur Abwechslung: Alte unartige Frauen mit der Todesstrafe zu belegen ist auch nicht gerade frauenfreundlich! Das ist altweiberfeindlich!

(Aber sonst finde ich die Serie lustig, und ziemlich gemein, weil ziemlich treffend, im Fall.)

(Disclaimer: Dieser Text ist eine Polemik und hat einen sarkastischen Unterton – falls das nicht für alle LeserInnen offensichtlich sein sollte.)

Alte Bücher lesen: Victor Hugo, Die Arbeiter des Meeres

Ich lese nicht nur Neuerscheinungen, sondern regelmässig auch Bücher, die schon etwas älter, gern auch mehrere hundert Jahre alt sind. Wenn man Abenteuergeschichten gerne mag, hat man auch gar keine andere Wahl.

Von den alten Büchern kommt man fast nur an die heran, die sich „bewährt“ haben, die Eintagsfliegen sind, anders als bei Neuerscheinungen, schon aussortiert. Innerhalb dieser Vorsortierung gibt es aber immer noch viele Entdeckungen zu machen, die alles andere als langweilige Klassiker sind. Und manchmal liegen die Entdeckungen unmittelbar neben den bekannten Klassikern.

Victor Hugo hat sehr viel geschrieben, darunter zwei sehr bekannte Romane: Notre-Dame von Paris (der mit dem Glöckner) und Les Misérables. Weniger bekannt ist, das beide Romane Teil einer Trilogie sind, die die Themen Religion, Gesellschaft und Natur behandeln, denn diese sind „die drei Mächte, mit denen der Mensch zu ringen hat und die zugleich auch seine drei Notwendigkeiten bedeuten“, wie im Vorwort zu „Die Arbeiter des Meeres“, dem dritten Roman der Trilogie, steht.

„Die Arbeiter des Meeres“ ist der erste Roman von Hugo, den ich gelesen habe.  (Ich hab’s ja nicht so mit dem Naheliegenden.) Er erzählt die Geschichte des Revolutionsflüchtlingskindes Gilliat, eines Fischers aus Guernsey, der in einem heroisch-herkulischen Kraftakt den Motor aus einem schiffbrüchig gewordenen Dampfschiff rettet und einem noch heroischeren Akt auf die versprochene Ehe mit der entzückenden Tochter des Schiffseigners verzichtet.

Der Roman ist kürzlich im Mare-Verlag in einer sehr schönen Ausgabe neu verlegt worden und ist, wenn man das Meer liebt und grosszügig über Hugos inzwischen etwas überholtes Frauenbild hinwegsieht (es kommen zum Glück kaum Frauen vor!), ein grosser Lesegenuss. Man taucht ein in  die seitenlangen Schilderungen der Stürme, der Höhlen – über Seiten hinweg auf eine Art beschrieben, dass man beim Lesen nachvollziehen kann, wie sich die Augen langsam an die Dunkelheit gewöhnen -, der inneren Verfassung des mit der Natur ringenden Gilliat. Die Sprache versucht das klippenreiche Meer vor Guernsey darzustellen, ist mal abgehackt in ganz kurzen Sätzen, mal langsam und ruhig, mal schnell und wild.

Und, ganz nebenbei, habe ich gelernt, dass Jacques Cousteaus ikonische rote Wollmütze ein traditionelles Kleidungsstück ist. Eine solche gehörte nämlich schon zu Hugos Zeiten zur Seemannskleidung: „Gilliat trug seine Seemannskleider: Wollhemd und Wollstrümpfe, genagelte Schuhe, Strickjacke, Hosen aus dickem Filzstoff und eine rote Wollmütze auf dem Kopf, die bei den Seeleuten gebräuchlich war und zur damaligen Zeit galérienne („Frau des Galeerensträflings“) hiess.“ (S. 256).

Wie damals, als ich noch pädagogisch wertvolle Jugendbücher lesen musste (Juli Zeh: Leere Herzen)

Der mit Tempo erzählte Thriller „Leere Herzen“ von Juli Zeh war eine spannende Lektüre (wenn auch der Plot ein kleines bisschen abgeschmackt ist). Auch hatte ich immer wieder das Gefühl, persönlich ertappt worden zu sein von der Schilderung dieses Lebens in der nahen Zukunft (von der Milieustudie zweier saturierter, pragmatischer, abgelöschter Familien gleich zu Beginn zum Beispiel – Manufactum-Fans, autsch!), in der Gleichgültigkeit der Politik gegenüber und dadurch die NationalistInnen die Macht übernommen haben. Dennoch mag mich „Leere Herzen“nicht zu überzeugen – hätte ich mal vorher die Rezensionen gelesen, ich hätte mir die Lektüre vermutlich gespart:

„Das Feuilleton“ ist sich zwar nicht einig, warum genau der Roman nicht gut ist, aber in ihrer Nicht-Begeisterung sind sich die RezensentInnen weitgehend einig. Die einen kritisieren die zu blumige Sprache (FAZ), die anderen die zu einfallslose Erzählweise (Zeit). Für die einen einen hält der Thriller die Geschichte nicht zusammen (Spiegel) oder die Geschichte ist nur „streckenweise“ spannend (Süddeutsche), den anderen ist die Nahzeitdystopie zwar interessant, aber zu wenig ausgebaut (FAZ). Die WoZ findet die Hauptfigur unglaubwürdig, und für die taz ist der ganze Roman schlicht überkonstruiert und unerträglich pathetisch. Einzig vom Tagi gab es keinen Verriss, sondern Lob („Juli Zeh kann erzählen, und wie!“ – besonders differenziert ist das aber nicht, ich glaube, dem Rezensenten gefällt vor allem die „toughe Autorin“…).

Der Roman hinterlässt auch bei mir einen ziemlich schalen Nachgeschmack: Die Geschichte ist der Botschaft untergeordnet. Das mag ich nicht. Ich will nicht pädagogisch behandelt werden, Pamphlete oder Appelle sollen solche sein, und sich nicht in einen spannenden (?) Thriller verpackt in meinen Kopf geschmuggelt werden. Da fühle ich mich manipuliert, das konnte ich schon vor vierzig Jahren nicht leiden, als wir in der Schule „pädagogisch wertvolle Jugendbücher“ lesen mussten.

(1) Wohl zu keinem Buch bisher habe ich so viele Rezensionen gelesen (wenn auch leider erst hinterher) – ich hatte mir SO SEHR vorgenommen, Juli Zeh und ihre Bücher zu mögen – eine Frau! die politisch Stellung nimmt! -, dass ich lange suchte, um vielleicht doch noch eine Rezension zu finden, die mir dabei hilft…
Hier sind sie:
 Spiegel / FAZ / Süddeutsche / Zeit /taz / Tages-Anzeiger / WoZ

Soundtrack für einen lebensbejahrenden (suffizienten) Lebensstil

Suffizienz. Ein furchtbar technisches Wort.
Und ein furchtbar sperriges Prinzip noch dazu.

Dabei geht es ja nur darum: Wir dürfen nicht weiter so leben, wie wenn wir mehr als eine Erde im Gepäck hätten. Und so, wie es zur Zeit läuft, bräuchten wir gleich eine ganze Reihe von Reserve-Erden. Aber auch diese würden wir alle nur kaputt machen, wenn wir so leben, wie wirs tun:

Unser Lebensstil ist ausbeuterisch und ungerecht – gegenüber eines grossen Teils der Menschen im Jetzt, und gegenüber aller Menschen in der Zukunft.

Die Alternative: So leben, dass alle möglichst nicht mehr Ressourcen verbrauchen als den „gerechten Anteil ist“. Das heisst: auf jeden Fall weniger als zur Zeit. Eine nicht so verführerische Botschaft: Sie schadet der Wirtschaft. Und unser „Belohnungszentrum“ im Gehirn rebelliert: Verzichten? Freiwillig abgeben? Aber sicher nicht als Erste, jedenfalls!

Ein an Materiellem genügsamerer Lebensstil ist nicht attraktiv, jedenfalls nicht, wenn man nicht auf einer wie auch immer gearteten „sprituellen Reise“ ist, sondern einfach so ganz normal leben will. Und auch wenn man sich „eigentlich“ dazu entschlossen hat, ist Durchhalten manchmal ganz schön schwer. Wie kann man’s lustvoll, lebensbejahend machen?

Kultur kann helfen. Ein Baustein dazu: Der passende Soundtrack. Die Schwierigkeit: Ich finde fast nur Lieder, die das Problem benennen, ich hätte gerne mehr Lieder auf meiner Playlist, die die schönen Seiten des „suffizienten Lebensstils“ preisen. Wer hilft mir sammeln? Damit „Hüt wert onaniert“ von Knöppel nicht das einzig lustvolle Stück auf der Liste bleibt.

… meine Playlist so far:

https://open.spotify.com/embed/user/117603861/playlist/52wAawWXHnF7Pvnw4C875I

P.S.: Spotify hat leider seine Grenzen. Nicht nur fehlt mit Baby Jails „never change a winning team“ das beste Suffizienz-Lied ALLER ZEITEN, auch der Iisbäremörder von Heinz de Specht ist nicht zu finden. Aber auf Youtube ist es, und erst noch im wunderschönen „Ökobeichtstuhl„-Look:

Ich bin zu schüchtern für „street photography“

Ich würde so gern Strassenszenen fotografieren. Das Gewimmel am Bahnhof zum Beispiel. Mein Pendlerleben photographisch verarbeiten. Aber ich bin viel zu schüchtern, um meine Kamera einfach so auf wildfremde Menschen zu richten. Und nochmal mehr zu schüchtern, um gar vorher zu fragen.

„street photography“ ist eine rechtliche Grauzone. Einzelpersonen in den Mittelpunkt stellen darf man ungefragt nicht, das verletzt das Recht am eigenen Bild. Aber ab wann ist eine Person nicht mehr im Mittelpunkt? Wann gilt die Aufmerksamkeit der Betrachtenden eines Bildes nicht mehr einer Einzelperson?

Beim samstäglichen Photospaziergang durch die Stadt habe ich festgestellt, dass es mir etwas leichter fällt, mit der analogen Kamera so zu fotografieren, dass auch Menschen drauf sind. Die altmodische Kamera signalisiert: Das Bild, das hier entsteht, landet nicht sofort im Internet. Ich muss an meiner alten Practica ziemlich lange herumhantieren, bis Beleuchtung und  Schärfe richtig eingestellt sind; so lange, dass sich niemand mehr gemeint fühlt, bis ich so weit bin.

Dennoch – auch mit der Practica kostet mich schon so etwas ziemlich Überwindung:

Tramblick
Samstag Nachmittag im 13er in Zürich

Gebäude sind für schüchterne Menschen einfacher zu photographieren. Auch wenn man ziemlich auffällt, wenn man minutenlang auf der Insel in der Mitte eines Fussgängerstreifens steht. Ich falle nicht so gern auf.

Kornhaus
Auch das ist Samstag Nachmittag in der Stadt.

Ungefähr so fühle ich mich dann:

Brunnenfigur
Dem nackten Jüngling im Klingenpark ist auch nicht ganz wohl in seiner Haut.

(alle Bilder aufgenommen am 3.2.18, Kamera: Practica LTL 3 / Film: HP5 400 ASA)