Ich bin zu schüchtern für „street photography“

Ich würde so gern Strassenszenen fotografieren. Das Gewimmel am Bahnhof zum Beispiel. Mein Pendlerleben photographisch verarbeiten. Aber ich bin viel zu schüchtern, um meine Kamera einfach so auf wildfremde Menschen zu richten. Und nochmal mehr zu schüchtern, um gar vorher zu fragen.

„street photography“ ist eine rechtliche Grauzone. Einzelpersonen in den Mittelpunkt stellen darf man ungefragt nicht, das verletzt das Recht am eigenen Bild. Aber ab wann ist eine Person nicht mehr im Mittelpunkt? Wann gilt die Aufmerksamkeit der Betrachtenden eines Bildes nicht mehr einer Einzelperson?

Beim samstäglichen Photospaziergang durch die Stadt habe ich festgestellt, dass es mir etwas leichter fällt, mit der analogen Kamera so zu fotografieren, dass auch Menschen drauf sind. Die altmodische Kamera signalisiert: Das Bild, das hier entsteht, landet nicht sofort im Internet. Ich muss an meiner alten Practica ziemlich lange herumhantieren, bis Beleuchtung und  Schärfe richtig eingestellt sind; so lange, dass sich niemand mehr gemeint fühlt, bis ich so weit bin.

Dennoch – auch mit der Practica kostet mich schon so etwas ziemlich Überwindung:

Tramblick
Samstag Nachmittag im 13er in Zürich

Gebäude sind für schüchterne Menschen einfacher zu photographieren. Auch wenn man ziemlich auffällt, wenn man minutenlang auf der Insel in der Mitte eines Fussgängerstreifens steht. Ich falle nicht so gern auf.

Kornhaus
Auch das ist Samstag Nachmittag in der Stadt.

Ungefähr so fühle ich mich dann:

Brunnenfigur
Dem nackten Jüngling im Klingenpark ist auch nicht ganz wohl in seiner Haut.

(alle Bilder aufgenommen am 3.2.18, Kamera: Practica LTL 3 / Film: HP5 400 ASA)

Pinhole Day 2017

Seit 17 Jahren ist der letzte Sonntag im April „Internationaler Lochkamera-Tag„. So haben wir gestern also wieder einmal die Lochkameras geladen, noch rasch zwei neu gebastelt und sind losgezogen, bei sonnigem, also idealen Wetter. Die Belichtungszeiten sind so schon lang genug…

Ich hatte mir überlegt, dass wir einen Ort brauchen, der viel grafische Strukturen und hohe Kontraste zu bieten hat. Und ich wollte nicht die ewig-gleichen Eisenbahnschienen-Fotos oder Bilder von Denkmälern, häufige Sujets der Lochkamera-Fotografie. So spazierten wir auf das Gelände eines Altmetallhändlers und stellten die Kameras auf. Es hat funktioniert:

lochkamera in position
Lochkamera in Position
ergebnis
Das Ergebnis (Belichtungszeit: 20 Sekunden)

Die am Vorabend noch rasch zusammengebastelten Schachtelkameras mit verschiedenen Brennweiten richteten wir auf dasselbe Sujet, um den Unterschied sichtbar zu machen.

schrotthaufen
Grössere Brennweite – fast schon ein Teleobjektiv, resp. Teleloch
schrotthaufen
Kürzere Brennweite, eher Weitwinkel

COOPH-Challenge, Woche 1: nightglow-Challenge

COOPH, ein FotografInnen-Kleidung-Hersteller und Herausgeber eines Fotografie-Onlinemagazins, hat als „last minute gift“ für Weihnachten eine Challenge vorgeschlagen – 52 fotografische Aufgaben, die zu lösen man auf dem Youtube-Channel von COOPH Unterstützung bekommt.

Da ich sowieso wieder etwas vom Foto-Virus gepackt bin, dachte ich mir – warum nicht? Ich habe mir das PDF mit den 52 Aufgabenkärtchen ausgedruckt, die Kärtchen fein säuberlich ausgeschnippselt und am 1. Januar aus dem gut gemischten Stapel das erste Kärtchen gezogen.

Und bin gleich an der ersten Aufgabe fast gescheitert:

„Watch freakishly Awesome UV Photography Tips“, buy some UV wool, spin a UV web and take a cool pic!“.

UV-Wolle, echt jetzt? Gibt es in der Schweiz nicht zu kaufen. Einen Shop mit vertretbaren Versandkosten habe ich auch nicht gefunden (und ich habe bigoscht nicht zum ersten Mal nach UV-Wolle gesucht, ich bin schliesslich eine Strickerin mit Nerdneigung). So habe ich die Aufgabe abgewandelt, und aus der UV- eine nightglow-Challenge gemacht:

Ein Foto unseres Silverster-Fondue-Feuers, bestickt mit nachtleuchtendem Nähfaden. Das wird jetzt gerahmt und aufgehängt, und wird ein Foto, das man auch im Dunkeln sieht. Zusätzlich habe ich das bestickte Foto zwei Mal abfotografiert – einmal im Licht, einmal im Dunkeln, und ein Gif daraus gebaut. Et voilà:

Silvesterfeuer