2021 gelesen

  • Eugène Sue: Die Geheimnisse von Paris. // Der wohl erfolgreichste Feuilleton-Fortsetzungsroman überhaupt, und mit fast 2000 Seiten ein Langzeitprojekt. Spannender, mitreissender, proto-sozialistischer Grossroman über rechtschaffene Unterschichtsangehörige, Umstände, die ändern müssen für ein Leben in Würde, gewürzt mit Adelsintrigen.
  • Lukas Linder: Der Unvollendete. // Pilze. Und ein orientierungslos mäandrierender Phil-I-er. Wenn der Roman das formal nachvollziehen will ist‘s gelungen: der mäandriert auch biz orientierungslos.
  • Juli Zeh: Unterleuten. // Abgebrochen nach fünf Kapiteln und fünf Klischees. Ich glaube, ich weiss bereits, was sie will, dass ich beim Lesen lerne.
  • Edward George Lytton Bulwer-Lytton: Vril oder Das kommende Geschlecht. // Inspieriert vom zweiten Iron Sky Film, habe ich diesen SF-Roman von 1871 gelesen. Ein weitere Hohlwelt-Roman auf meiner Liste. Unterhaltend und gruslig. Und er kann absolut nichts dafür, dass Okkultisten-Nazis das Buch für bare Münze nehmen (der Film ist übrigens auch empfehlenswert).
  • Marian Donner: Das kleine Buch der Selbstverwüstung. // Selbstoptimierung ist eine Falle, die der neoliberale Kapitalismus uns stellt – Marian Donner ruft dazu auf, nicht in diese Falle zu trampeln und ein ungezähmtes Leben zu führen. Der Titel verspricht zu viel: Gerade soweit, dass sie zur systematischen Selbstverwüstung aufruft, geht sie dann doch nicht.
  • Leif Randt: Allegro Pastell. // Faszinierend, wie in knapper, pseudopräzisen Sätzen ein Bild der inneren Verfassung zweier Millenials gezeichnet wird.
  • Ulrike Ulrich: Während wir feiern. // Ich kenn das beschriebene Millieu zu gut, was dazu führte, dass es in dieser Geschichte kaum etwas zu entdecken gab. Ich habe mich mit diesem Buch ein bisschen gelangweilt.
  • T.C. Boyle: Sprich mit mir. // Spannend erzählte, etwas kitschige Geschichte / ein typischer „Boyle“: Aussenseiterforschung, die, wenn die Welt gerecht wäre, einfach gelingen MÜSSTE, es aber nicht tut, weil das Potenzial verkannt wird, trifft Liebesgeschichte.
  • Robert Louis Stevenson: Der Pavillon in den Dünen. // Spannende Novelle mit eigenartigen Hauptfiguren.
  • Kurt Marti: Alphornpalast. // Realitätsentgleitungen.
  • Gerald Murnane: Die Ebenen. // Als „kafkaesk“ beschrieben, ja, fiebertraumartig kaskaest, ebenso fremdartig berührt mich die völlige Abwesenheit von Frauen im Kreis der Handelnden. Nur Dekofrauen kommen vor, Töchter hauptsächlich.
  • Robert Louis Stevenson: Reise mit einem Esel durch die Cevennen. // So gut vorbereitet will auch jeweils reisen, damit man dann auch erkennt, was man sieht. Ausserdem: Warum der Hpye um den Stevenson-Weg in den Cevennen? Aussicht schrecklich, Menschen eigenartig, Esel bockig, Übernachten im Wald gefährlich/kalt/Ameisenlastig: Macht nicht gerade Lust, es ihm nachzumachen.
  • Sophie Passmann: Komplett Gänsehaut. // Zum Glück bin ich nicht mehr 27. Muss anstrengend sein, all das Nicht-sein-wollen-wie-die-andern-und auch-nicht-wie-die-sein-wollen-die-nicht-wie-die-andern-sein-wollen.
  • Kassia St Clair: Die Welt der Stoffe. // Dicht recherchierte und spannend erzählte Essais über Aspekte der „Stoffwelt“, von der Steinzeit über Sklavenmode bis Weltraumanzüge aus Miederstoff.
  • Kurt Marti: Abratzky oder Die kleine Brockhütte. Lexikon in einem Band. // Lexifiktion. Um die Verwirrung komplett zu machen, hat es auch Einträge drin, die stimmen.
  • Simone Meier: Reiz. // 2020 geschrieben, und Corona kommt nicht vor. Uff. Eine packend erzählte Geschichte mit nicht uninteressanten Figuren, trotzdem bleibt nichts hängen. Ein Buch wie ein Glas Sekt: Sprudlig, unterhaltsam, muss aber nicht unbedingt sein.
  • E.M.Forster: Die Machine steht still. Eine dystopische Erzählung über Vereinzelung durch Vernetzung, geschrieben 1909. Menschen, die sich nur über Bildschirme sehen, Berührungen sind tabu, das Raumgefühlverlust präsent.
  • Science x Fiction: Die Vision einer hoffnungsvollen Zukunft. // Dietmar Dath hat Recht: Disytopien geben einfach mehr her. Positive Zukunftsgeschichten neigen dazu, didaktisch zu sein oder langweilig.
  • Mieze Medusa: Du bist dran. // Eigentlich ist das eine Geschichte über drei Menschen, die sich vorurteilsfrei begegnen.
  • Lana Bastašić: Fang den Hasen. // Näherbringen konnte mir wohl noch keine Geschichte, wie sich ein er/überlebter Krieg in die eigene Biografie einfrisst. Auch ohne dass die Protagonistin unter dem Trauma wirklich leidet, prägt er für immer.
  • Mithu Sanyal: Identitti. // Eine Geschichte über die Ichfindung einer Protagonistin, die versucht, sich selber mittels Theorie besser zu verstehen – was nicht so ganz klappt, weil ihre vererhrte Professorin ein Paradoxon auftut. Über Ambiguität und Ambiguitätstoleranz. Und nebenbei auch ein bisschen ein Roman über Düsseldorf.
  • Alexander Gorkow: Die Kinder hören Pink Floyd. // Kindheitserinnerungen erzählt ohne erwachsene Erklärschere im Kopf.
  • Ekhart von Hirschhausen: Mensch, Erde. und
  • Frank Schätzing: Was, wenn wir einfach die Welt retten. // Gleich zwei Bestsellerautoren haben gemerkt, dass wir eine Klimakrise haben, und teilen ihre persönliche Aufarbeitung des Themas mit der Welt. Beide haben die Klimajugend „system change“ rufen gehört, und haben zugehört. Sie singen erfreulicherweise nicht das neoliberale Lied von Verhaltensänderungen der Einzelnen, die es richten wird. Eure Worte in Eurer Fangemeinden Ohr, bitte!
  • Jenny Offill: Wetter. // „zeitgemäss paranoid“, habe ich in einer Besprechung gelesen. Passt.
  • Mary Shelly: Der letzte Mensch. // verstörend, wenn auch immer wieder etwas langfädig (was wohl auch der Tatsache geschuldet ist, dass die Geschichte nebenbei auch eine Hommage an Shelly und Byron ist).
  • Terry Pratchett: Strata. // Als zum ersten Mal eine flache Welt auftaucht. Noch ohne Magie allerdings.
  • Becky Chambers: Unter uns die Nacht. // Warum auf einem Schiff bleiben, das sein Ziel längst erreicht hat?
  • Linus Reichlin: Senor Herreras blühende Intuition. // Ziemlich verdrehte Geschichte, mit hübschen Sprüngen auf die Metaebene.
  • Ottessa Moshfegh: Mein Jahr der Ruhe und Entspannung. // Interessanter Plot, in den reichlich Gesellschaftsreflexion verpackt ist, mit einem etwas enttäuschenden Schluss – es funktioniert, das mit dem Neustart durch Marathonschlafen.
  • Erich Kästner: Der Gang vor die Hunde (Originalversion): Eine Wucht von einem Buch. Vom Leben in einer Zeit, in der es sich nicht lohnt, langfristige Pläne zu machen.
  • Fabio Andina: Tage mit Felice. // Minimalismus im Bleniotal. Überidyllisierung von Armut, Städtersehnsucht nach Glück in der Einfachheit bedienend, aber mit schönem, sehr ruhigem Rhythmus erzählt. Und es passiert nichts. Gar nichts. Und das ist das Schöne dran.
  • Ulrich Becker: Murmeljagd. //