2019 gesehen: Kino, Theater, Ausstellungen, Serien

Kino

  • Shoplifters. / Über ein bisschen Halt im Haltlosen.
  • RBG. / Dokumentarfilm – amerikanisches Heldinnenepos, aber schon sehr beeindruckend.
  • Il miangiatore di pietre. / Düster, schweigsam, dramaschwer. Zum Glück sind Bergler nicht wirklich so.
  • Tel Aviv on Fire. / Viel abgründiger als die Beschreibung erahnen liess. Und dennoch grossartig lustig.
  • The Dead Don’t Die. // Ein grausliger Spass. SEHR lustig, mit vielen Anspielungen für Filmfans.
  • Spiderman far from Home. // Mit K. Kino Netstal ausprobiert.
  • 25 km/h. // Im Openair Kino am Kulturufer Friedrichshafen. Mit sehr vielen begeisterten Menschen zusammen einen Film schauen, der zwar ein bisschen gar stark Wohlfühl-Brobuddy-Movie, aber sehr gut erzählt und äusserst unterhaltsam ist, hat was.
  • Flash Gordon. // Live auf schweizerdeutsch synchronisiert, mit einer anderen Geschichte. Sehr lustig! Mit Boni Koller, Elena Mpintsis und Peter Denlo.
  • Parasite. // Spannend erzählte, rabenschwarze Geschichte über soziale Ungerechtigkeit – ein toller Film, trotz ein paar psychologischer Ungereimtheiten und unnötig viel Gewalt.
  • Systemsprenger. // Ohne Happy End und ohne Schuldzuweiseungen wird erzählt, wie die Gesellschaft an einem 8jährigen Mädchen scheitert.
  • Sorry we missed you . // Ken Loach über das prekäre Dasein in der Scheinselbständigkeit in Prä-Post-Brexit Nordengland. Beklemmend.

Theater

  • The Situation, Maxim Gorki-Theater, Berlin. / Relevant, lustig,
  • Frankenstein, Schauspielhaus Zürich. / Eher Multimediavortrag als Theater. Für ZuschauerInnen mit Philosophiestudium und etwas Vorwissen zur Geschichte von Sience Fiction und KI anregend, für alle anderen wohl überladen und schwer  verständlich.
  • Viel gut essen, Rabenhof-Theater, Wien. / Von Sibylle Berg selber adaptierte Fassung mit Band (Kreisky) und Chor. Anfangs wahnsinnig lustig, dann je länger je mehr nur noch wahnsinnig. Und auf eine sehr gut Art sehr laut.
  • Balkan Baby, K.R.U.S.K., Gessnerallee Zürich. / Das Gespenst einer internationalen Arbeiter*innenklasse geht um in Europa und wird zum Verschwinden gebracht. Und die nicht aufgeschriebenen Geschichten der Angehörigen der Arbeiter*innenklasse erscheinen gespenstisch auf der Bühne. Ganz grosse (Arbeiter*innen-) Klasse!
  • Sharmanka Kinetic Theatre Glasgow . // Nicht wirklich ein Theater, mehr eine Vorführung von Installationen – aber was für welche! Schrott und geschnitzte Figuren verbinden sich mit Musik und Lichtshow zu skurrill-poetischen Szenen.
  • FAHR.WERK.ö!, Eingeschmiert. // Auf dem Ratshausplatz Glarus. Sehr lustig, mit aberwitziger und treffender Parodie auf Perfomancekust. Immer wieder beeindruckend, wie in kaum zwei Wochen mit Jugendlichen und Profis von null auf ein Theaterstück entsteht, das total „verhebt“.

Ausstellungen

  • Hamburger Bahnhof, Berlin: Sieben Ausstellungen auf einen Streich. The Demon’Brain von Agnieska Polska ist eine riesige Videoinstallation, eine ganze Geleisehalle voll, die man auf Schaumstoffmatten liegend reinziehen kann – aber das, was gemäss Beschreibung Thema war, konnte ich in den Filmen nicht wiederfinden;How to talk with birds, trees, fish, shells, snakes, bulls and lions will sich kollaborativ und interdisziplinär mit den „wechselseitigen Beziehungen zwischen Menschen und anderen Lebewesen“. Einzelne Beiträge waren leider nicht kollaborativ, sondern übergriffige Selbstbedienung an indigenem Kulturgut. Und in der Skulturenausstellung „Der Elefant im Raum“ habe ich die esoterische Seite von Beuys kennen gelernt.
  • Konkrete Gegenwart, Haus Konstruktiv. Und wieder wie immer: Konkrete Kunst macht mich einfach glücklich. Ich weiss gar nicht recht, wieso. Der Spiegelsaal von Timo Nasseri hat nicht nur mich gefesselt.
  • Kunsthaus Zürich, letsmuseeum: Tour „Selbstmord, Geld und Olivenöl. / Cool, cool, cool. Ein frischer Blick auf Geschichten und Geschichtchen um ausgewählte Kunstwerke der Sammlung und die Geschichte des Hauses selber.
  • Kunsthistorisches Museum Wien: Spitzmaus Mummy in a Coffin and other treasures. / Der Grund für unsere Wien-Reise. Aber ich war ein bisschen enttäuscht: Zu mir „sprach“ die Nebeneinanderstellung der Objekte leider nicht. So blieb es reines Sammelsurium ohne Erläuterungen – oder, wie in der „Zeit“ zu lesen war, „Rares für Bares ohne sonderlichen Erkenntniswert„. Obwohl – es war schon amüsant, zu beobachten,, wer auf die Knie ging, um die ganz auf Bodenhöhe präsentierte Figur des auf einer goldenen Schildkröte reitenden Hiobs von Nahem betrachten zu können – und wer nicht.
  • Belvedere Wien: Stadt der Frauen. / Über in den 30er Jahren bekannte, prägende und relevante Künstlerinnen, die aber einfach aus dem Kanon verschwunden sind. Sehr zu unrecht. Nur schon die wunderbare Skulptur „Hexe bei der Toilette für die Walpurgisnacht“ von Teresa Feodorowna Ries, die 1896 einen Skandal ausgelöst hatte, war den Besuch mehr als wert!
  • Kunsthaus Zürich: Fly me to the moon. / Weder Fisch noch Vogel, biz Kunst, biz pseudophilosopie, biz historische Ausstellung – etwas fokussierter wäre besser gewesen. Eine Ausstellung ist kein Essay.Grossartig nerdig jedoch: Earth moon back, grossartig frech Gianni Mottis „First step in Belgium.
  • Bea Schlingelhoff – PAX (Off-Kunsthaus im Freulerpalast Näfels). // Die Idee war gut: Die Waffensammlung des Freulerpalasts auf die BesucherInnen richten. Die Umsetzung zu wenig konsequent
  • Food: Bigger than the Plate im V&A, London. // Besonders beeidruckend: bone china Porzellan aus Industriehühnerknochen ist ein brüchiges Nichts, mit Bio-Hühnchen wird es edel. Auch die Sammlung des V&A reichte für mehrere Stunden Staunen. Die Fotosammlung ist überwältigend.
  • British Museum. // Alle wollen den Rosetta-Stein sehen. Und fast niemand die tollen Tischuhren aus dem 18. Jahrhundert (astronomische und solche mit Orgeln)
  • Novelty Automation Museum, London. // Ironische Arcade-Automaten mit einem augenzwinkernden Selbsterkenntnis-Angebot.
  • The Victor Wynd Museum of Curiosities, London. //  Eine richtig echte neue Wunderkammer – mit Meerjungfrau-Mumie und -Skelett, Erotika, eingemachte Maulwürfe, Unappetittliches, Okkultes und Schräges, und wunderbare Drinks in der Bar. Victor Wynd ist wohl der durchgeknallteste Exzentriker Londons.
  • Hito Steyerl: Actual Reality OS, Serpentine Galleries, London. // Visualierung von Einkommen und Reichtum mittels Virtueller Verformung der Gallerie. Grundidee spannend, die Umsetzung überzeugte mich jedoch gar nicht. Steyerl hat bei der Ausstellungseröffnung einen – überälligen! – Wirbel über  Kunstfinanzierung ausgelöst.
  • Jakob Kudsk Steensen: The Deep Listener, Serpentine Galleries, London. // VR-Kreaturen suchen im Hyde Park: Ganz toll!
  • Olafur Eliassion: In real life,  Tate Modern, London //  Begehbare Kaleidoskope, Regenfenster, Mooswand,  Regenbogen, ein 40-Meter-Gang mit süssem, bunten Nebel gefüllt – Glück pur!
  • Takis, Tate Modern, London. // Magnetskulpturen – einzigartig. Takis liess einst einen Menschen mit Magneten schweben („first man in space“).
  • Nan Goldin, Tate Modern, London . // Mir ist mit Selbstzerfleischung und -entblössung in der Kunst jeweils sehr unwohl. Aber Goldins Arbeit ist wichtig,
  • Kelvingrove Art Gallery and Museum, Glasgow. // Das Museum zeigt seine riesige Sammlung zu „stories“ gebündelt.  Wir haben viel gelernt! Und die Linda McCartney-Retrospektive war anregend – sie arbeitete viel mit Tiefenschärfe und mit einer grossen Vielfalt an Techniken.
  • Glasgow Gallery of Modern Art (GoMA). // Berühmt ist die Wellington-Statue mit dem Verkehrstöggel auf dem Kopf, lokalhistorisch das Gebäude – Tabakhandelreichtum -, gut präsentiert die Sammlung und fast schon verstörend nichtssagend die grosse Videoinstallation „disorient“ im Hauptsaal. Aber es war dunkel und hatte Liegekissen – konnten wir gebrauchen.
  • Invader: Mehrere Mosaike gesehen in Newcastle, London, Glasgow, Paris – und D+K in Menorca.
  • Centre Pompidou, Paris. // Auf der Heimreise von Schottland ein Zwischenstopp in der  wohl hochkarätigsten Sammlung moderner und zeitgenössischer Kunst Europas, das ja an sich schon ein Kunstwerk ist. Taschenkontrolle am Eingang, aber die Bilder ungeschützt ausgestellt.
  • William Kentridge: A poem that is not our own, Kunstmuseum Basel. // Kunst muss gesellschaftlich/politisch relevant sein. Kentridge ist es. Hat mich sehr berührt. Und schön sind seine Schattenspiel-Musik-Tanz-Prozessionen auch noch!
  • Labirinto Luzzati, Pallazo Ducale, Genua. // Emanuele Luzzati ist eine Entdeckung! Bühnenbildner, Trickfilmer, Illustrator, Theatergründer, Tausendsassa.
  • Sam Pulitzer: The Premise of a Better Life, Kunsthaus Glarus . // Selbst- und Gesellschaftsbefragung zur Wiedereröffung des schönsten Kunsthauses der Schweiz nach der Sanierung.

Serien

  • Broadchurch (ITV). // Zum Glück haben wir keine Geschworenenprozesse!
  • Die Brücke. // Schräg, grau, beeindruckende Kamera, toller Einsatz von Musik, aber für meinen Geschmack zu brutal. Abgebrochen nach 5 Folgen.
  • The Wire. //
  • The Umbrella Acadamy. / Solche Sachen müssen von Zeit zu Zeit einfach sein…
  • Star Treck Discovery, Staffel 2. // War fast zwei Staffeln lang grossartig – um bei der grossen Auflösung mit dem billigsten dankbaren Erzähltrick gang ganz tief abzufallen.
  • Doctor Who, Staffel 11. // Ich mag Jodie Whittacker als Doctor, eine ganze Gang an BegleiterInnen ist aber zu viel.
  • Good Omens. // Terry Pratchett. Neil Gaiman. Michael Sheen. David Tennant.  Mehr muss man nicht sagen…
  • Horrible Histories. // Ach, britisches Kinder-Bildungs-Fernsehen!!! Klug, witzig, frech